WM 2026: Schweigen der FIFA – Schweizer Städte sollten aufpassen
Während US-Gastgeber auf versprochene Millionen warten, stellt sich die Frage: Droht auch der Schweiz ein ähnliches Debakel bei Grossanlässen?
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 wirft ihre Schatten voraus – doch während die Vorfreude auf das Turnierspektakel wächst, mehrt sich in den USA der Unmut. Mehrere Gastgeberstädte der WM 2026 klagen über ausbleibende Zahlungen der FIFA. Versprochene Millionenbeträge für Infrastruktur und Organisation fehlen, obwohl die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen. Eine Warnung, die auch in der Schweiz Gehör finden sollte.
Die leeren Versprechungen der FIFA
Laut Berichten von Blick und The Athletic haben mehrere US-Städte wie Atlanta, Dallas oder Los Angeles bereits öffentliche Forderungen an den Weltfußballverband gerichtet. Die FIFA hatte im Vorfeld zugesagt, einen Teil der Einnahmen aus Ticketverkäufen und Sponsoring zurück in die Gastgeberregionen fließen zu lassen – doch bisher ist wenig davon angekommen. Stattdessen herrsche „Funkstille“ seitens der FIFA, so ein anonymer Stadtvertreter.
Die Summen sind beachtlich: Allein die Stadt Houston rechnet mit einem Defizit von über 20 Millionen Dollar, falls die versprochenen Gelder nicht eintreffen. Dabei geht es nicht nur um die Deckung der Kosten, sondern auch um langfristige Investitionen in den Fußballnachwuchs und die lokale Wirtschaft.
Warum die Schweiz hellhörig werden sollte
Die Situation in den USA ist kein Einzelfall. Schon bei früheren Großereignissen wie der WM 2014 in Brasilien oder der EM 2024 in Deutschland gab es Streit um finanzielle Zusagen der Verbände. Für die Schweiz, die gemeinsam mit Österreich die EM 2008 ausrichtete und sich aktuell für die Ausrichtung der WM 2034 oder 2038 interessiert, ist die Entwicklung besorgniserregend.
Drei Lehren für Schweizer Städte:
- Verträge sind nicht immer Verträge: Die FIFA ist bekannt für ihre harten Verhandlungspositionen. Schriftliche Zusagen sollten daher juristisch wasserdicht sein – und im Zweifel von unabhängigen Experten geprüft werden.
- Infrastruktur vor Finanzen: Viele US-Städte bauten Stadien und Transportnetze auf Kredit, in der Erwartung, die Kosten später durch FIFA-Gelder zu decken. Ein riskantes Spiel, das Schweizer Kommunen vermeiden sollten.
- Öffentlicher Druck hilft: Erst durch Medienberichte und gemeinsame Forderungen der Städte rückt die FIFA jetzt langsam in die Pflicht. Transparenz und öffentlicher Druck können auch hierzulande ein Gamechanger sein.
Fußballromantik vs. wirtschaftliche Realität
Großanlässe wie eine WM oder EM sind für Städte und Regionen eine einmalige Chance – doch der Preis ist hoch. Neben den direkten Kosten für Sicherheit, Logistik und Marketing entstehen oft langfristige Schulden. Die FIFA, ein milliardenstarker Verband mit Rekordeinnahmen, agiert dabei wie ein monopolistischer Player, der die Regeln dikiert.
In der Schweiz, wo direkte Demokratie und Haushaltsdisziplin großgeschrieben werden, wäre ein solches Szenario besonders brisant. Die experiencia der USA zeigt: Wer sich auf die FIFA verlässt, könnte am Ende auf den Kosten sitzen bleiben.
Was jetzt zu tun ist
Für Schweizer Städte, die sich für zukünftige Bewerbungen interessieren, gibt es klare Handlungsempfehlungen:
- Realistische Machbarkeitsstudien: Bevor auch nur ein Franken in Planung investiert wird, müssen alle Kosten- und Einnahmeströme detailliert durchkalkuliert werden – inklusive worst-case-Szenarien.
- Verhandlungsmacht bündeln: Einzelne Städte haben gegen die FIFA kaum eine Chance. Ein gemeinsamer Auftritt aller potenziellen Gastgeber, wie ihn aktuell die US-Städte praktizieren, erhöht den Druck.
- Alternative Finanzierungsmodelle: Statt auf FIFA-Gelder zu setzen, könnten Public-Private-Partnerships oder langfristige Sponsorenverträge die Risiken streuen.
Die WM 2026 könnte zum Präzedenzfall werden: Entweder die FIFA lenkt ein und erfüllt ihre Versprechen – oder sie riskiert, dass sich künftig immer weniger Städte für die Ausrichtung von Großturnieren bewerben. Für die Schweiz wäre Letzteres kein Verlust, sondern eine Chance, sich auf nachhaltigere Sportformate zu konzentrieren.
Source: blick.ch via Google News


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